"Neue Lehrer braucht das Land"

ForumDas Bildungspaket 2020 des CDU-FDP-Koalitionsausschusses ist in Wirklichkeit ein Bildungs-Abbau-Paket, darin waren sich die Teilnehmer des 4. Schulpolitischen Forums der Lehrerverbände im Sächsischen Beamtenbund am vergangenen Sonnabend einig.

"Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. In Wirklichkeit werden bis 2016 4000 Lehrerstellen abgebaut und das trotz steigender Schülerzahlen", äußerte sich der Stellvertretende Landesvorsitzende des sbb – beamtenbund und tarifunion sachsen Gerhard Pöschmann zum Vorhaben des Koalitionsausschusses. "Wer mit dem sächsischen Bildungssystem so rigide umgeht, verspielt leichtfertig einen mühsam erworbenen Vorsprung in Sachen Bildung."

"Der Unterrichtsausfall betrug im letzten Schuljahr bereits 5,2%. Das sind pro Tag ca. 4600 Unterrichtsstunden, die nicht gehalten oder irgendwie vertreten wurden. In diesem Schuljahr sieht die Situation noch schlechter aus. So etwas verkraftet auf Dauer kein Schulsystem" so Pöschmann weiter.

Selbst die Absichtserklärung, neue Lehrer einzustellen, wird nicht leicht zu erfüllen sein. Einerseits lässt man gut ausgebildete Lehrer für Gymnasien gehen, andererseits kann man den Bedarf an Grund- und Förderschulen, Mittelschulen und Berufsschulen nicht decken. "Viele verlassen nach dem Studium Sachsen und kommen nicht wieder zurück" das waren die Worte von Carola Dudeck, stellvertretend für viele sächsische Referendare, zu den bisher fehlenden Einstellungsmöglichkeiten in Sachsen. Ausschlaggebend seien dafür die nicht gewollten Verbeamtungsmöglichkeiten und die damit verbundene schlechtere Bezahlung von sächsischen Lehrern.

In seinem mitreißenden Vortrag machte der Präsident der Uni zu Berlin Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz deutlich, dass der Zusammenhang zwischen einer notwendigen Personalausstattung und guter Schulbildung nicht aufgelöst werden kann. Sachsen sei in seiner Zeit als Kultusminister Sachsen-Anhalts Vorbild für gute Schule in Deutschland gewesen. Er appellierte an die anwesenden Vertreter der CDU-Landtagsfraktion, diese Entwicklung jetzt nicht abreißen zu lassen.

Erneuert wurde der Vorschlag zur Wiedereinführung von Altersteilzeitregelungen. So könnte es gelingen, trotz eines gedeckelten Haushaltes, mehr junge Lehrkräfte neu einzustellen. Diese Lösung bietet sich im Übrigen für den gesamten öffentlichen Dienst an.