Lehrerverbände zweifeln am Gesamtkonzept der Koalition zur Lösung des Lehrerproblems

Die CDU-FDP-Koalition verkündete gestern ihr Konzept zur Lösung des Lehrerproblems der kommenden Jahre. Die Sächsischen Lehrerverbände im Sächsischen Beamtenbund drängen jetzt, nicht auf diesem Weg stehen zu bleiben. „Das ist nur das erste Drittel des Weges“, mahnte der Stellvertretende Landesvorsitzende und Pressesprecher des Sächsischen Beamtenbundes Gerhard Pöschmann.

Mit der geplanten Neueinstellung von Lehrerinnen und Lehrern bis 2015 ist ein erster kleiner Schritt in die richtige Richtung getan. Entgegen allen bisherigen Beteuerungen aus dem Finanzministerium kann damit der bisher geplante Stellenabbau nicht verhindert werden. Eigene Berechnungen der Lehrerverbände zeigen, dass bis 2015 etwa 3050 Lehrkräfte aus dem Schuldienst ausscheiden. Dem stehen nur 2200 neue Stellen gegenüber. „Wir vermuten hinter der Formulierung ‚der Bedarf sei damit gedeckt‘ einen verschleierten Stellenabbau, weil im Kultusministerium noch immer von einem rechnerischen Überhang  ausgegangen wird. Dadurch könnte der zurzeit schon grassierende „Ausfallvirus“ an Schulen Sachsens neue Nahrungsgrundlagen bekommen.“

Bemängelt wird der Gedanke der Seiteneinsteigerprogramme für das Lehramt an Grundschulen. „Das Lehramt ist ein Beruf für den man vier bis fünf Jahre studieren muss. Das kann man doch nicht mit Qualifikationsmaßnahmen hinschustern“, so Pöschmann.

Was an dem Konzept der Koalition völlig fehlt, ist die Antwort auf die Frage: Welcher gut ausgebildete Lehrer in einem Mangelfach wird wohl bei 500 – 1000 € monatlichem Netto weniger im Portemonnaies in Sachsen bleiben und nicht z.B. nach Baden-Württemberg wechseln? Junge Lehrer hätten vor allem dann eine Aussicht auf  Einstellung in den Schuldienst, wenn ältere Kollegen freiwillig Platz machen könnten. Genau diese Altersteilzeitregelungen fordern die Lehrerverbände im Sächsischen Beamtenbund schon seit geraumer Zeit. Auch davon war leider nichts zu hören. Bei den Lehrerverbänden hört sich diese Forderung so an: „Älteren Lehrkräften muss durch Altersübergangsregelungen der Ausstieg aus dem Schuldienst ermöglicht und damit Neueinstellungen ermöglicht werden.“ 

Beantwortet wurde dagegen die Frage nach den sächsischen Arbeitsbedingungen. Verbeamtungen kommen für neue Lehrkräfte auch weiterhin nicht in Frage.

Begründet wurde das mit den dann anzusparenden Rücklagen für Pensionen in ca. 40 Jahren. Nicht erwähnt wurden in diesem Zusammenhang die geringeren laufenden Ausgaben für Beamte, die die Bildung von Rücklagen ermöglichen. Etwas offener fiel die Antwort auf die Bedingungen für einen Wechsel von Lehrkräften aus anderen Bundesländern nach Sachsen aus. „Man wolle darüber nachdenken, Regelungen zu schaffen, die den Erhalt des erworbenen Beamtenstatus ermöglichen“, ein Schlag in’s Gesicht all derer, die jahrelang ihre Haut an sächsischen Schulen zu Markte getragen haben - auch für sehr gute sächsische Pisa-Ergebnisse. Zudem fehlt dafür die wichtigste Grundlage: eine „Lehrer-Laufbahn“ in Sachsen!

Was fehlt ist ein Gesamtkonzept für alle Lehrkräfte aller Altersstufen und Schularten wie sie im „Sieben-Punkte-Programm“ aus der Sicht der Sächsischen Lehrerverbände beschrieben werden. Die einseitige Willensbekundung, neue Lehrer einzustellen, erfordert auch ein erhebliches Maß an Leidensfähigkeit junger Lehrkräfte, in Sachsen zu bleiben. Somit ist am Kernproblem, der Benachteiligung von Arbeitnehmern in Sachsen, nicht wirklich etwas getan worden. Unter diesem Gesichtspunkt ist die Gewinnung von mehr Lehramtsstudenten bei halbierten Studentenzahlen kaum vorstellbar.