„Der Freistaat tut nicht wirklich etwas, um den Personalmangel der kommenden Jahre im Lehrerbereich zu beheben“, das ist das Fazit einer Betrachtung aus der Sicht der Betroffenen. Die Lehrerverbände im Sächsischen Beamtenbund haben deshalb ein Sieben-Punkte-Programm mit Vorschlägen erarbeitet.
„Wir benötigen ein breites Spektrum an Maßnahmen“ stellte dazu der Stellvertretende Landesvorsitzende des sbb – beamtenbund und tarifunion sachsen Gerhard Pöschmann fest. „Wenn wir weiter nichts tun, läuft uns die Zeit davon und dann ist es vorbei mit dem Musterland Sachsen in Sachen Bildung.“
Für die zum Lehramt führenden Studiengänge muss nachdrücklicher geworben werden. Bei künftig stark rückläufigen Abiturjahrgängen ist es deshalb dringend notwendig, vor allem die Attraktivität des Lehrerberufes insgesamt deutlich zu erhöhen. Lehrkräfte sind, wie in anderen Bundesländern auch, auf Wunsch zu verbeamten. Angestellte Lehrkräfte dürfen gegenüber Beamten nicht weiter finanziell benachteiligt werden und für angestellte Lehrkräfte muss eine gerechte tarifliche Eingruppierung geschaffen werden.
Die Säge klemmt auch bei den Referendaren. Die geplante Verkürzung des Referendariats auf ein Jahr ist deutschlandweit beispiellos und senkt sowohl das Niveau der Lehrerausbildung in Sachsen, als auch die Chancen für einen Wechsel in andere Bundesländer. Deshalb ist die Ausbildungsdauer für das 2. Staatsexamen wieder auf zwei Jahre anzuheben. Wartezeiten zwischen dem Studienabschluss und dem Beginn des Referendariats müssen wegfallen. Nach Beendigung des Referendariats muss eine lückenlose Übernahme in den Schuldienst gewährleistet sein.
Ein großes Problem ist die hohe Zahl künftig ausscheidender Lehrkräfte. Dadurch, dass älteren Lehrkräften mit Altersübergangsregelungen der langsame Ausstieg aus dem Schuldienst bereits heute ermöglicht wird, könnten bereits jetzt zusätzliche Stellen für Neueinstellungen geschaffen werden. Wir fordern den Finanzminister auf, endlich gegenüber dem Sächsischen Beamtenbund Verhandlungsbereitschaft über die Wiedereinführung einer Altersteilzeitregelung zu signalisieren.
Auch Wechsler aus anderen Bundesländern werden nicht wirklich willkommen geheißen. Einerseits erhalten Sachsens Lehrer nach wie vor deutschlandweit die geringsten Löhne. Andererseits verlieren bereits in anderen Bundesländern verbeamtete Lehrkräfte bei einem Wechsel nach Sachsen den Beamtenstatus und bereits erworbene Anwartschaften.
Woher also will das Kultusministerium Lehrkräfte nach Sachsen holen? Werden nicht endlich Regelungen getroffen, die einen Berufseinstieg oder einen Wechsel aus einem anderen Bundesland attraktiv machen, sind letztlich die Schüler die Leidtragenden. Folgerichtig wären damit die Erhöhung der Klassenstärken und des Stundendeputates für Lehrkräfte, eine mögliche Kürzung der Stundentafel, weitere Schulschließungen und die Einschränkung oder Einstellung derzeit angebotener zusätzlicher Leistungen des Schulsystems wie z.B. Ganztagsangebote, Stunden des Ergänzungsbereiches (u.a. für Vertretungen im Krankheitsfall und Arbeitsgemeinschaften) oder Stundenabminderungen für Lehrkräfte zur Absicherung besonderer Aufgaben verbunden. Wir bezweifeln, dass Sachsen mit der Umsetzung dieser Pläne einen Platz unter den ersten Bildungsstandorten in Deutschland behalten kann. Die Sicherung der durch den Grundbereich zwingend festgelegten Unterrichtsstunden ist gefährdet. Insbesondere die individuelle Förderung, die unter Bildungsexperten inzwischen als einziges wirkliches Instrument sowohl zur Begabtenförderung als auch zur Förderung leistungsschwacher Schüler angesehen wird, wäre nicht wirklich möglich.