An Sachsens Schulen geht es eng zu

Der erste Platz in der INSM-Studie sagt nichts über die tatsächlichen Probleme des kommenden Schuljahres aus. Statt individueller Förderung, wie in der Studie gelobt, wird es wohl vor allem um die Absicherung des Unterrichtes gehen. Ob Sachsen mit der immer kleiner werdenden Personaldecke das derzeitige Niveau des Bildungssystems halten kann, ist fraglich.

Das Schuljahr 2011/12 beginnt von Seiten der Schulverwaltung mit dem Eingeständnis einer Entwicklung, die von den Lehrerverbänden des Sächsischen Beamtenbundes schon seit Jahren vorausgesagt wurde. Hauptschwerpunkt im kommenden Schuljahr sei die Absicherung des Grundbereiches. Zum Grundbereich gehören nur die im Schulgesetz verpflichtend vorgeschriebenen Unterrichtsstunden. Alle anderen Aufgaben müssten diesem Ziel untergeordnet werden. Erst danach könne es überhaupt noch um die Qualität des Unterrichtes gehen.

Im Klartext heißt das, dass im Moment der Unterricht zwar rein rechnerisch abgesichert ist, aber mit der ersten Erkrankung einer Lehrkraft auch die erste Lücke in das wackelige System gerissen wird. Es heißt aber auch, dass die eine oder andere Arbeitsgemeinschaft in diesem Schuljahr nicht stattfinden kann, weil der Unterricht Vorrang hat. Und es heißt, dass in der Ganztagsbetreuung erste Einschnitte hingenommen werden müssen.

„Im Durchschnitt war der Teich einen Meter tief. Trotzdem ist die Kuh …“. „Diesen Teil des alten deutschen Sprichwortes würden wir uns gern ersparen“, äußerte sich der Stellvertretende Landesvorsitzende des Sächsischen Beamtenbundes Gerhard Pöschmann zum Dilemma um die Personaldecke an den Schulen Sachsens.

Individuelle Förderung hat immer auch etwas mit Personal zu tun. Da helfen auch die neuen Referendarstellen wenig. Im Gegenteil. Jeder Referendar muss von Lehrern betreut werden - Lehrern, die derzeit in immer geringerem Umfang zur Verfügung stehen. Geht es nach dem Willen des Finanzministers, sollen bis 2020 etwa 5000 Lehrerstellen eingespart werden. Eine Entwicklung, die Sachsens Bildungsvorlauf gegenüber anderen Bundesländern bald aufbrauchen wird.