20 Jahre Sächsischer Beamtenbund

Mit einer Festveranstaltung begeht der sbb beamtenbund und tarifunion sachsen am Mittwoch, dem 06.04.2011, seinen 20. Jahrestag. In einer erstmalig vorgenommenen Studie zur Geschichte des Beamtenbundes in Sachsen wurde die Gründung des Verbandes am 04. Dezember 1918 nachgewiesen. Seit seiner Neugründung am 06. April 1991 in Dresden setzt sich der sbb verstärkt nicht nur für Beamte, sondern in zunehmendem Maße auch für Tarifbeschäftigte ein.

Der erste Vorsitzende des „Bundes Sächsischer Staatsbeamter“ (BSS), Regierungsrat Georg Schulze, betonte in seiner Antrittsrede am 04. Mai 1919: ,,Mit der Gründung unseres Bundes haben wir uns bewusst auf einen neuen Boden der Organisation gestellt. In unserem Bunde sollen nicht in erster Linie die Standesinteressen der einzelnen Gruppen vertreten werden, sondern es soll oberstes Gesetz sein, die gleichmäßige Berücksichtigung der Bedürfnisse aller Gruppen und jedes einzelnen Beamten, ganz gleich, welchen Standes er sei. Einer soll jetzt für den anderen einstehen, und jedes Mitglied soll das gleiche Recht, den gleichen Schutz und die gleich energische Vertretung seiner Interessen genießen. Gerade in dieser Gleichberechtigung aller liegt einer der wesentlichen Gründe dafür, dass wir uns ‚Gewerkschaft' nennen, und in dem Worte ‚Gewerkschaft ' erblicken tausende unserer Mitglieder eine Gewähr für diese Gleichberechtigung."

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten gab es auch in der deutschen Beamtenschaft grundlegende Änderungen. So übernahm am 1. April 1933 Jacob Sprenger die Führung des DBB. Dieser bildete dann einen ,,Führerrat", der nach dem Führerprinzip aufgebaut war. Am 24. Juni 1933 fand im großen Saal der Dresdner Kaufmannschaft ein außerordentlicher Bundestag des SSB statt. Am 15. Oktober 1933 wurde der DBB aufgelöst und der ,,Reichsbund der Deutschen Beamten" ins Leben gerufen. Damit war der bisher demokratisch aufgebaute „Bund Sächsischer Staatsbeamter“ zerschlagen. In der ehemaligen DDR gab es keine Fortführung des Beamtenbundes.

Am 6. April 1991 wurde in Dresden der Sächsische Beamtenbund erneut gegründet. Er sah sich der Tradition der in den alten Bundesländern bereits nach dem 2. Weltkrieg erneut ins Leben gerufenen Beamtenverbände verpflichtet und trat dem „Deutschen Beamtenbund“ als Landesbund bei. Der Deutsche Beamtenbund (DBB) hatte mit der vollzogenen Gründung eines Landesbundes Sachsen ein weiteres Signal für die in der Phase des Umbruchs und Aufbaus besonders notwendige gewerkschaftliche Unterstützung für den öffentlichen Dienst in den neuen Ländern gesetzt. Landesvorsitzender Hagen Grothe nannte als Arbeitsschwerpunkte unter anderem die Einführung und Festigung des Berufsbeamtentums.

„Es gelte Einkommensbedingungen zu schaffen, um die anhaltende Abwanderung von motivierten und entscheidungsbereiten Mitarbeitern in die Privatwirtschaft oder in die alten Bundesländer zu verhindern“, äußerte er damals.
Die Sächsische Zeitung vom 22. Mai 1995 berichtet unter dem Titel „Schlanker Staat darf nicht an Magersucht leiden“ über den 2. Landesvertretertag in Pirna. „Ein effektives und ausgewogenes Gesamtkonzept zur Reform des öffentlichen Dienstes sowie ein Ende der ‚populistischen Attacken‘ und der ‘Flickschusterei‘ hat der Sächsische Beamtenbund (SBB) … am vergangenen Sonnabend in Pirna gefordert. SBB-Vorsitzender Drechsler betonte: ‚Wir haben in Sachsen das schlechteste und repressivste Verbeamtungskonzept und wir haben politisch Verantwortliche, die dieses Konzept noch schlechter und noch repressiver umsetzen.‘ Besonders deutlich werde dies bei den Lehrern. Deren Verbeamtung sei unverzichtbar, um die pädagogische Freiheit zu sichern.“ Der damalige Vorsitzende des Deutschen Beamtenbundes, Werner Hagedorn erklärte: „Man kann nicht täglich neue Aufgaben und Gebiete auf den öffentlichen Dienst abwälzen und gleichzeitig ständig von Personalabbau reden.“

Die Aktualität dieser Worte verblüfft gerade heute immer wieder und demonstriert sehr deutlich die Notwendigkeit einer Berufsvertretung. Auch für die Mitglieder im Angestelltenstatus trägt der Sächsische Beamtenbund zunehmend Verantwortung. So zeigt die Demonstration vom 08. März 2011 in Dresden im Rahmen der Auseinandersetzungen zum Tarifvertrag der Länder klar, dass der sbb seiner neuen Rolle als Tarifpartner im Verbund mit der Tarifunion des Deutschen Beamtenbundes nachkommen will und kann.

In der Festveranstaltung am 6. April 2011 im Quality Hotel Plaza Dresden, sollen der 20-jährige Einsatz des Sächsischen Beamtenbundes für die Rechte seiner Mitglieder gewürdigt und einige langjährige, besonders aktive Mitglieder geehrt werden.

Bilderschau zur Festveranstaltung