Diesen Eindruck hinterließ das dritte schulpolitische Forum der Sächsischen Lehrerverbände im sbb – beamtenbund und tarifunion sachsen gemeinsam mit der CDU-Landtagsfraktion am Sonnabend in Dresden. In einem Fachvortrag erläuterte Prof. Hillenbrand von der Uni Oldenburg sowohl die Grundlagen der Forderung als auch Umsetzungsmöglichkeiten dafür. (Präsentation zum Vortrag Prof. Hillenbrand)
Inklusion zwischen Auftrag und Realität, so könnte man das Thema des Vortrages von Prof. Hillenbrand, Lehrstuhlinhaber für Sonderpädagogik an der Uni Oldenburg, umreißen. Sehr schnell wurde deutlich, dass Inklusion nicht gleichzusetzen ist mit Integration. Inklusion fordert nicht die Eingliederung behinderter Menschen in das System, sondern das „Verschieben von Mauern“, um sie im Alltag als normal anzusehen. Dazu gehört nicht nur das Verschieben physischer Mauern z.B. durch die Schaffung behindertengerechter Zugänge an Schulen, sondern auch die Beseitigung geistiger Mauern. „Behindert sind nicht die Menschen, sondern sie werden behindert durch Barrieren“, so eine seiner Aussagen. Seine Forderungen waren u.a. eine Reform der Lehrerbildung für alle Lehrämter durch ein Modul Inklusion/sonderpädagogische Förderung. Ziel sei es z.B. wirksame, effektive pädagogische Maßnahmen zur Inklusion von Schülern mit Lernschwierigkeiten zu erlernen. Die Fortbildung der Lehrerinnen und Lehrer zu verbessern, gehört genauso zu seinem Forderungskatalog, wie die Verbesserung der Ausstattung. Unverzichtbar sei auch eine wissenschaftliche Begleitung, um eventuelle negative Wirkungen feststellen und korrigieren zu können!
Für die CDU betonte deren Fraktionsvorsitzender Steffen Flath: „Behinderte Kinder müssen dort gefördert werden, wo dies mit den besten Erfolgsaussichten geschieht. Da kann im Einzelfall die allgemeinbildende Schule oder die Förderschule die optimale Lösung sein. Wenn Eltern den Besuch einer Regelschule für ihr Kind förderlicher halten, darf der Elternwunsch nicht so einfach vom Tisch gefegt werden.“
„Sachsen geht bereits einen eigenen Weg zur Umsetzung der UN-Konvention zur Inklusion“, betonte Raphaele Polak, Abteilungsleiterin im SMK, im Auftrag des Sächsischen Kultusministeriums. So wurden in den letzten Jahren verstärkt Schüler mit Lernschwierigkeiten wieder in die allgemeinbildenden Schulen integriert. (Präsentation zum Vortrag Frau Polak) „Das Unterrichten mit individuell unterschiedlichen Lernzielen hat in den ersten Klassen der Grundschule bereits seinen Platz. Im Fachunterricht weiterführender Schulen ist lernzieldifferenzierter Unterricht zwar sehr schwierig, sollte aber nicht unmöglich gemacht werden“, betonte Thomas Colditz (MdL). Von Inklusion, so die Meinung der Zuhörer, kann man derzeit an weiterführenden Schulen in Sachsen noch nicht reden.
Dass die dabei entstehenden Probleme zum großen Teil noch nicht gelöst sind, betonte Claus Hörrmann, Schulleiter der Schule zur Lernförderung „Am Landgraben“ in Dresden.
„Vielfach fehlen uns sowohl die Zeit als auch die wissenschaftlichen Voraussetzungen, um mit solchen Schülern richtig umgehen zu können. Schon der erste Kontakt mit einem solchen Kind kann zur Ablehnung der Lehrperson führen. Sind wir darauf genügend vorbereitet? Haben wir die Ressourcen, um diesen Schüler auch einmal aus dem Klassenverband herauszulösen und einzeln zu betreuen? Andererseits: Wer ist nicht froh, wenn sein behindertes Kind in einer ungezwungenen Atmosphäre aufwachsen darf, zusammen mit gleichaltrigen, nicht behinderten Kindern. Nur so können wir den Umgang mit einer Behinderung zur Normalität werden lassen, können wir lernen, dass eine körperliche Behinderung nicht automatisch auch eine geistige Behinderung bedeutet. Denken wir nur an den bekannten Astrophysiker Stephen Hawkin, der trotz massiver körperlicher Einschränkungen bis 2009 Inhaber des Lucasischen Lehrstuhls für Mathematik an der Universität Cambridge, den einst Sir Isaac Newton innehatte, war“, äußerte sich dazu auch der stellvertretende Landesvorsitzende des sbb Gerhard Pöschmann.