Ab 01. August 2010 können alle Lehrer an Mittelschulen und Gymnasien wieder in Vollzeit arbeiten. Wie kann man das jetzt wieder vorhandene Potential an Lehrkräften sinnvoll einsetzen? Die Lehrerverbände im Sächsischen Beamtenbund haben sich bereits frühzeitig zu dieser Frage positioniert. Vieles davon fand in der Pressekonferenz des Kultusministers zum Schuljahresauftakt seinen Niederschlag.
In ihrem „Konzept 2o 2o" haben sich die Lehrerverbände zur Frage der weiteren inhaltlichen Ausgestaltung des erfolgreichen sächsischen Schulmodells geäußert. Angemahnt wird der Ausbau der individuellen Förderung genauso wie die Verbesserung der individuellen Betreuung in allen Schularten. Dazu gehören unter anderem mehr Zeit zum Festigen des Lernstoffes, gezielte begabungsgerechte Förderung und auch individuell angepasste Ganztagsbetreuungsangebote. „Viele unserer Forderungen können jetzt nach dem Auslaufen der Zwangsteilzeit umgesetzt werden. Sinnvoll ist alles, was der Förderung unserer Schüler dient. Dabei muss es sowohl um Hilfestellungen für besonders Begabte, als auch für diejenigen gehen, denen das Lernen nicht so leicht fällt “, so der stellvertretende Landesvorsitzende des sbb Gerhard Pöschmann.
Die entscheidende Frage ist jedoch die nach der Neueinstellung junger Lehrerinnen und Lehrer. Begrüßt wird der neu geschaffene Einstellungskorridor für bis zu 600 Referendare ab 2011. Gleichzeitig verweisen die Lehrerverbände aber auch auf die doppelt so hohe Zahl jährlich aus Altersgründen ausscheidender Lehrer. Damit soll nach dem Willen des Finanzministers bis 2020 die Lehrer-Schüler-Relation deutlich gesenkt werden. Das wird sich dann in größeren Klassen und höheren Unterrichtsverpflichtungen widerspiegeln. „Individuelle Förderung wird aber bei 32 Kindern je Klasse und überarbeiteten Lehrern nicht mehr möglich sein. Und was immer noch nicht stimmt, sind die Unterschiede in der Bezahlung der Lehrer in den Bundesländern. Das trotz der Ost-West-Angleichung immer noch niedrige Lohnniveau in Sachsen dürfte kaum Bewerber aus den alten Bundesländern beflügeln, sich für eine Tätigkeit im Freistaat zu entscheiden“, so Pöschmann. Folgerichtig musste der Kultusminister, Prof. Wöller, eingestehen, dass sich trotz vieler wieder zur Verfügung stehender Lehrerstunden die Situation in den Mangelfächern nicht verbessern wird.