Mit tiefer Erschütterung hat der Vorsitzende des Sächsischen Beamtenbundes, Günter Steinbrecht, auf die Ereignisse in Winnenden reagiert. „Wir müssen in den Schulen wieder mehr hinschauen und hinhören“, äußerte er sich im Rahmen einer Zusammenkunft der Lehrerverbände im sbb. „Dazu gehöre ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern und das kann nur mit mehr Zeit für die Betreuung von Schülern entstehen.“
Als hinderlich dabei bezeichnete er in diesem Zusammenhang die Teilzeitarbeit für Lehrer in Sachsen. „Man muss vernünftige Arbeitsbedingungen schaffen und unsere Lehrer besser bezahlen, wenn man will, dass sich mehr junge Menschen für den Lehrerberuf in Sachsen entscheiden“, ging er auf die jüngsten Äußerungen des Kultusministers ein.
Bei allem Bemühen um die jungen Menschen darf man die Eltern jedoch nicht aus ihrer Verantwortung entlassen. Denn die Schule kann nicht der Reparaturbetrieb für alle Defizite im Elternhaus sein. Die Schule kann die Eltern bei der Erziehung nur unterstützen, ersetzen kann sie sie nicht!
Leider werden immer häufiger alle möglichen Konflikte in der Schule ausgetragen. Der Freistaat kann seine Lehrer auf Dauer mit diesen Problemen nicht allein lassen. „Was wir dringend benötigen, ist mehr Personal, das heißt mehr Zeit zur menschlichen Fürsorge für unsere Kinder. Mehr Schulpsychologen und Sozialarbeiter an den Schulen sind erforderlich, um Defizite und Konflikte abzubauen. Den Lehrern ist mehr Zeit zuzugestehen, damit sie nicht nur den Lehrstoff vermitteln können, sondern auch Zeit haben für notwendige Gespräche, für Fragen, die den Schülern auf den Nägeln brennen. Die Jugend ist offen für Werte wie Gerechtigkeit, Solidarität und soziales Engagement. Das muss auch in Schulen (vor)gelebt, geübt und gepflegt werden“ meinte Steinbrecht weiter.
Und ein weiterer Aspekt sei beachtenswert: „Wer schon den Jüngsten die ganze Horror-Welt medialer Grausamkeiten via Bildschirm ins Gehirn brennen lässt, muss sich nicht wundern, dass dieses latente Gewaltpotenzial irgendwann einmal, wenn die Seele zu sehr verletzt worden ist, sich einen Weg an die Oberfläche bahnt und wenn auch noch Waffen in Reichweite sind, das Handeln des Jugendlichen in grausamer Weise bestimmt“.